GZSZ

„GZSZ“-Produzentin Katja Bäuerle präsentiert eine brisante Option –Die Fans waren fassungslos, als sie die Nachricht hörten!

Katja Bäuerle produziert für die UFA Serial Drama Deutschlands erfolgreichste und am längsten laufende Daily: „GZSZ“. Wir sprachen mit ihr darüber, wie man attraktiv und relevant bleibt in einem Markt im Umbruch zwischen linear und Streaming, über die Einbeziehung des Nachwuchs und neue Perspektiven und die Frage, wie viel Innovation nach 30 Jahren Produktion einer täglichen Serie noch möglich ist.

Katja Bäuerle gehört schon lange zur UFA-Family (Credit: Bernd Jaworek)

Nach einer Interimsphase haben Sie Ende September offiziell als Produzentin das ikonische Format „GZSZ“ übernommen. Ist da der Druck automatisch höher als bei anderen Produktionstätigkeiten?

Katja Bäuerle: Ich habe sehr großen Respekt vor der Aufgabe, sie ist aber für mich genau das, was ich immer machen wollte. Ich habe 20 Jahre lang bei der UFA Serial Drama immer wieder für die täglichen Serien gearbeitet, auch Primetime-Serien gemacht.

Nach meinem kurzen, spannenden Zwischenstopp beim Erich Pommer Institut bin ich gerne zur UFA und zur Daily zurückgekehrt. Dafür schlägt mein Herz. Wenn man so gestrickt ist, will man irgendwann „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ machen, weil es einfach das Mutterschiff ist. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich in mich hineingrinse, weil ich es selbst nicht glauben kann, was ich hier machen darf. Mir ist auch bewusst, wie wichtig das Format für die UFA und für RTL ist.

Und ja, auf uns liegt ein großer Druck, schon immer. In diesen sich veränderten Zeiten wird der Druck nicht gerade kleiner. Aber ich mache meinen Job wie alle Beteiligten mit ganz viel Leidenschaft und Freude!

„GZSZ“ läuft seit 1992, ist der verlässliche tägliche Anker für viele Millionen Zuschauer:innen. Darf man als Produzentin überhaupt die eigene Handschrift einbringen? 

Katja Bäuerle: Die Marke ist größer als jeder einzelne von uns, als die jeweils einzelnen Ehrgeize und Ansprüche. Wir, die hier arbeiten, wollen erfolgreich sein, aber für das Format. Niemand von uns – das macht das Arbeiten für eine Daily so besonders – will seine eigene Handschrift einbauen.

Nur so funktioniert das. Das macht auch die Zusammenarbeit so toll. Große Egos gibt es bei uns nicht – das können wir uns in dieser Art und Weise auch nicht leisten. Wir haben den Anspruch auch Neues auszuprobieren: aber wenn jemand „GZSZ“ einschaltet, muss er es auch wiedererkennen und sich „zu Hause“ fühlen.

Nicht nur durch die Sets und die Rollen, sondern auch durch die packenden Geschichten, die unsere Zuschauer:innen unterhalten sollen. Diese Erwartbarkeit muss gegeben sein. Heutzutage noch viel mehr als früher.

„Geschichten für ,GZSZ’ sind grundsätzlich immer ein bisschen bigger than life.“

Geschichten ist ein gutes Stichwort. Wie findet man immer die richtigen Geschichten? 

Katja Bäuerle: Wir haben ein großes Team an erfahrenen Autor:innen. Wir diskutieren viel über die Geschichten. Es wird mit der Vergangenheit von den Charakteren gearbeitet, der Frage, was eine Figur schon durchlebt hat, was nicht. Es wird aber auch mit dem Zustand der Gesellschaft gearbeitet und in die Zukunft geblickt.

Geschichten für „GZSZ“ sind grundsätzlich immer ein bisschen bigger than life. Jede Daily hat ihren USP. Wir laufen 19:40 Uhr, Access-Primetime, cool, schneller, emotional, unsere Intrigen, Crime- oder Comedy-Plots und Dramen sind ein Stück größer, die Liebesgeschichten auch und wir haben Jo Gerner!

Wenn Sie sagen, „GZSZ“ ist ein bisschen schneller. Kann sich ein Erzähltempo auch mal ändern?

Katja Bäuerle: Das Erzähltempo ist ein wichtiges Thema. „GZSZ“ wird relativ schnell erzählt. Aber aktuell diskutieren wir viel darüber. Muss man den Menschen in dieser anstrengenden Welt vielleicht mehr Zeit zum Durchatmen bieten?

Wir probieren durchaus Dinge aus, erzählen teilweise eine Szene weniger pro Folge, lassen uns mehr Zeit für Emotionen, nehmen ein bisschen Tempo raus.

Maria Wedig, Anne Menden, Gisa Zach, Wolfgang Bahro, Valentina Pahde, Chryssanthi Kavazi und Olivia Marei beim 30-jährigen „GZSZ“-Jubiläum 2022 (Credit: RTL / Bernd Jaworek)

Wie schafft man es, attraktiv zu bleiben? 

Katja Bäuerle: Alle, die bei RTL und uns an „GZSZ“ mitarbeiten, haben eine jahrelange Erfahrung. Wir gucken uns unsere Folgen an und haben eine eigene Haltung. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Wir sind es gewohnt, sehr viel mit quantitativen und qualitativen Marktforschungsdaten zu arbeiten.

Das haben wir schon lange vor den Streamern angefangen. Wir befassen uns eingehend mit Einschaltquoten, mit Einschaltimpulsen, wir diskutieren Werbeclips, Recaps oder Teaser, berücksichtigen Zuschauer:innen-Feedback etc… Wir können aus den Zahlen Konsequenzen ziehen – und das relativ schnell. Diese Auseinandersetzung nehmen wir ernst.

Es hat sich doch sicher viel verändert, seit man auch Streaming mitdenken muss, oder?

Katja Bäuerle: Das ist in der Tat eine Herausforderung, in dieser Mitte zu stehen zwischen linearer Ausstrahlung und Streaming. Für unseren Auftraggeber RTL ist das Streaming mittlerweile genauso relevant. Wir arbeiten nach der Devise: Story first. Wenn wir die richtige Geschichte erzählen, ist der Ausspielweg egal.

„Am Anspruchsvollsten ist die Nachwuchspflege im Bereich der Autor:innen.“

Die UFA als großes Produktionsunternehmen legt schon immer viel Wert auf Nachwuchsarbeit. Welche Rolle spielt das Thema Nachwuchs bei „GZSZ“?

Katja Bäuerle: Die Nachwuchspflege läuft bei „GZSZ“ seit vielen Jahren sehr gut. Aktuell haben wir vier Auszubildende in verschiedenen Lehrjahren. Wir haben Trainees in den Bereichen Ton, Kamera, Continuity, Regie-Assistent oder Aufnahmeleitung. Zu anderen Zeiten haben wir auch Trainees im Set-Kostüm, der Postproduktion, der Ausstattung, Baubühne… also eigentlich überall.

Wir sind zudem so aufgestellt, dass wir immer in der Lage sind, Trainees eine Junior-Stelle anzubieten. Wir fördern Nachwuchs-Regie und haben stets erfahrene Schauspiel-Coaches am Set. Das heißt, eigentlich sind wir auch eine Schauspielschule für junge Talente vor der Kamera. Am Anspruchsvollsten ist die Nachwuchspflege im Bereich der Autor:innen. D

as Pensum im  Storydepartment ist intensiv und hoch, jede Woche aufs Neue. Ich habe größten Respekt vor den Autor:innen, die mit einer Ernsthaftigkeit und Leidenschaft jede Woche 90 neue Szenen planen. Jede/r brennt für die Rollen, Szenen und Erzählstränge unserer Daily. Hier ist nichts egal, niemals. Und wir brauchen die Kolleg:innen, denen auch nichts egal ist, die sich trauen für ihre Ideen zu kämpfen.

Wir sind gut darin, das Handwerk beizubringen, aber in diesem Umfeld bestehen zu können, jeden Tag in der Woche im Writers Room Ideen zu verteidigen, das ist eine Herausforderung, selbst für jemanden, der schon Erfahrung, aber vielleicht bis dato eher alleine am Schreibtisch gearbeitet hat. Sicherlich ist es nicht für jede/n die passende Arbeitsweise, was jedoch keineswegs ein Qualitätsmerkmal der Autor:innen ist.

Wir müssen vielleicht vorab noch deutlicher kommunizieren, was es heißt für eine Daily zu schreiben. Ein tolles Angebot ist die UFA Serienschule für alle schreiberfahrenen und -interessierten Menschen ab 21 Jahren, eine sehr kompakte und intensive Veranstaltung. Wir brauchen den Nachwuchs in allen Bereichen, die anderen Perspektiven, die Vielfalt im Team.

Allgemein haben Produzent:innen mit steigenden Kosten, aber gleichbleibenden oder gar schrumpfenden Budgets zu kämpfen. Wie sieht das bei „GZSZ“ aus? Ein weiterer Aspekt, der Druck verursacht?

Katja Bäuerle: Nein, RTL und die zuständige Redaktion üben keinen unnötigen Druck auf uns aus. Es ist eine extrem partnerschaftliche Zusammenarbeit. Unsere RTL Executive Producerin Christiane Ghosh und ihr Redaktionsteam leben für diese Serie genauso wie wir. Wir ziehen an einem Strang. Aber natürlich ist uns bewusst, dass der Kostendruck steigt und wir Antworten hierauf werden finden müssen. Der Markt verändert sich, die Werbebuchungen im linearen Programm lassen nach, die Konkurrenz ist vielfältiger geworden. Druck machen wir uns also eher selbst und dazu gehört auch der Erfolgsdruck. Ich finde es allerdings herausfordernd zu sagen, wie man heutzutage Erfolg überhaupt noch messen kann. Früher gab es am Tag nach der Ausstrahlung die 14-49er-Quote, dann wusste man: das ist erfolgreich, das ist okay, das geht gar nicht. Heute habe ich eine vorläufig gewichtete Quote, eine endgültig gewichtete Quote, ich habe VoD-Zahlen, Marker, wie viele Menschen von der linearen in die VoD-Ausstrahlung wechseln oder umgekehrt… Man kann leicht verloren gehen in diesen so komplex gewordenen Zahlenwelten. Umso wichtiger ist es das Gefühl zu haben, dass der auftraggebende Sender auch in diesen Zeiten an seine Produktion und ihre Relevanz nicht nur glaubt, sondern auch fest dahintersteht.

Um beim Thema Produktion/Kosten zu bleiben: Inwiefern spielt KI im produktionstechnischen Ablauf schon eine Rolle bei „GZSZ“? Viele erhoffen sich, dass Produktionen durch KI günstiger werden…

Katja Bäuerle: Wir sind noch am Erkunden, wo hier die Potentiale und Chancen liegen. Das Thema KI ist einfach schwierig zu greifen: Man redet heute über irgendwas, das dann in zwei Monaten schon wieder überholt ist. Meine Antwort heute: Wir testen bei „GZSZ“ verschiedene Tools, die bislang zu Ergebnissen führen, die unsere Serie möglicherweise qualitativ ein bisschen besser machen, z. B. beim Look. Unser Budget sah zum Beispiel nie einen Foley Master vor. Heute gibt es tolle Programme, die Foleys herstellen, auf die wir nun zurückgreifen können, weil sie für unsere Zwecke ausreichen. Dank KI können wir schon tolle Requisiten herstellen oder wir können die große Masse an Inhalt, die wir haben, nach verschiedenen Kriterien besser sortieren. Was aber in der ganzen Diskussion ein wenig untererzählt wird: Das Thema KI ist bei vielen Menschen noch mit Zurückhaltung verbunden – auch bei uns im Team. Damit müssen wir ebenso umgehen, wie mit der rechtlichen Sicherheit in alle Richtungen. Deshalb befassen wir uns bei der UFA viel damit, Rechtssicherheit für alle zu schaffen und Ängste abzubauen, soweit uns das möglich ist. Das ist ein Prozess, den wir in der UFA stark von innen heraus antreiben – nicht nur bei „GZSZ“. Und wir arbeiten natürlich auch sehr eng mit dem Sender zusammen.

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