Bares für Rares

Seltsamer Fisch sorgt bei “Bares für Rares” für “Kirmes im Bauch”

In der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow “Bares für Rares” bei Horst Lichter sorgt ein einst “kohlrabenschwarzes” Fundstück in Fischform für eine “Kirmes im Bauch” der Verkäuferin.
Denn bei dem Objekt handelt es sich um einen rituellen Gegenstand aus dem jüdischen Glauben – mit erstaunlichem Wert: “Wahnsinn.”
“Toll sieht der aus, aber ein bisschen groß für den Hals”, findet Horst Lichter und interpretiert den Fisch als Kettenanhänger. Damit liegt er aber falsch. “Es ist ja auch keine Schlaufe dran”, erklärt ihm Patrick Lessmann.
Doch um was es sich eigentlich handelt, verrät der Experte noch nicht. Auch die Verkäuferinnen wissen es nicht.
Sabine aus Essen, die mit ihrer Tochter Lara gekommen ist, hat den Fisch bei der Wohnungsauflösung ihres Stiefvaters entdeckt – “kohlrabenschwarz”, erinnert sich die Verkäuferin.
Nachdem sie das Objekt mit einem Silberputztuch gereinigt hat, ist eine Gravur zum Vorschein gekommen: 1824. Mehr weiß sie dazu nicht.
Lessmann zufolge handelt es sich um eine sogenannte Besamimbüchse – ein jüdischer Gewürzbehälter, der traditionell beim Hawdala-Ritual verwendet wird und das Ende des Schabbat kennzeichnet. Die oft kunstvoll gestalteten Gefäße werden mit Gewürzen wie Zimt, Nelken, Orangenschalen oder Myrte als Riechdose gefüllt.
Die Fischdose ist besonders schön gestaltet. Laut Punzierung im vergoldeten Inneren ist die Handarbeit aus 826er Silber vom Silberschmied Poul Hansen aus Dänemark gefertigt worden. Als Fischaugen wurden passende Mondsteine gewählt.
“Wahnsinn”, findet Lichter die Geschichte hinter dem Objekt – und das hohe Alter. Die Verkäuferin wünscht sich 250 bis 300 Euro. Lessmann taxiert den Materialwert gerade mal auf 70 Euro, doch so ein Objekt “sieht man nicht so häufig”. Er schätzt 800 bis 1.000 Euro. “Guter Lohn fürs Putzen”, findet Lichter, und die Verkäuferin hat “Kirmes im Bauch”.
Mit so einem hohen Expertisenwert hat Sabine auf keinen Fall gerechnet. Auch im Händlerraum spürt sie noch das “Kribbeln im Bauch”. Doch auch hier ist der Preis für alte Besamimbüchsen anscheinend bekannt. “Die kosten Geld”, weiß Wolfgang Pauritsch sofort Bescheid, als die Büchse in Fischform auf der Händlertheke landet. Er startet mit 250 Euro.
Im Schlagabtausch mit den anderen Händlern steigen die Gebote rasch in die Höhe. Julian Schmitz-Avila landet schnell bei 900 Euro. “Ihr wisst schon, dass der nur aus Silber ist”, fragt Walter Lehnertz, als die Gebote letztlich sogar über dem Expertisenpreis landen. Pauritsch bietet 1.100 Euro.
“Ich gebe ihnen 1.200 Euro”, toppt Schmitz-Avila noch mal – und die Verkäuferin freut sich. “Damit kommen wir ins Geschäft”, strahlt Sabine und nimmt das Höchstgebot sehr gerne an. Pauritsch wirkt hingegen etwas geknickt und murmelt zum Abschied: “Die hübscheste Besamimbüchse, die ich bis jetzt gesehen habe.”
“Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin außer Rand und Band”, jubelt die Verkäuferin nach der Sendung. Fest steht: “Das Geld geht jetzt erst mal in die Reisekasse.”
Als weiteres Objekt der Sendung bringt Michael aus Bad Rappenau einen Adler mit, der laut Bianca Berding von der bekannten Manufaktur Goldscheider aus Wien gefertigt wurde. Laut Prägestempel stammt die Figur aus der Zeit zwischen 1912 und 1920. Der Entwurf stammt von Anton Puchegger (1913/14).
Der Wunschpreis liegt bei 500 Euro. Die Expertin taxiert zwischen 400 und 500 Euro – “denn ein Brandriss im Stein mindert den Wert”. Letztlich zahlt Händler Wolfgang Pauritsch 400 Euro für den Steinadler aus Wiener Fayence.
Christoph und Jörg aus Köln haben ein Gemälde des deutschen Malers Otto Gleichmann dabei, das die Mutter des Verkäufers vom Künstler selbst geschenkt bekommen hat. Laut Signatur ist das Bild von 1959, zählt also zum Spätwerk des Expressionisten.
Der Verkäufer wünscht sich 1.500 Euro für den in Öl auf Leinwand gemalten Blumenstrauss. Bianca Berding taxiert sogar 1.500 bis 1.800 Euro. Nach einigen Geboten zahlt Wolfgang Pauritsch schließlich 1.100 Euro für das Stillleben.
Waltraud und Wolfgang aus Vaihingen an der Enz wollen einen Chapeau Claque samt Hutschachtel verkaufen. Anscheinend stammt der Klappzylinder aus den 1920er-Jahren, denn der Großvater des Verkäufers hat den Hut auf seiner Hochzeit getragen.
Der Verkäufer wünscht sich 50 Euro für den Zylinder aus Seide und Seidenplüsch. Annika Raßbach schätzt den Wert ebenfalls auf 50 bis 80 Euro. Nach einem Duell mit Jos van Katwijk erhält Julian Schmitz-Avila bei 200 Euro den Zuschlag.
Johanna und Christoph aus Walsrode wollen einen Ring veräußern, den die Verkäuferin einst zur Hochzeit von ihrer Großmutter geschenkt bekommen hat. Patrick Lessmann datiert den geometrischen Art-déco-Schmuck aus 333er Gold und Silber mit Glassteinen in den 1920er-Jahren.
“Ach herrje”, stöhnt die Verkäuferin beim Detail “Glassteine”. Sie hat gedacht, es handelt sich um einen grünen Edelstein. Auch die Besatzsteine sind aus Glas. “Dann ist das so”, akzeptiert Johanna und wünscht sich jetzt: 50 Euro. Der Experte taxiert 80 bis 100 Euro. Julian Schmitz-Avila zahlt dennoch 200 Euro.
Jörg und Tim aus Gütersloh und Rietberg wollen Schulkarten verkaufen, die in einer Grundschule im Keller entdeckt worden sind. Laut Annika Raßbach zeigen die Tafeln sechs Märchen der Gebrüder Grimm.
Expertin Raßbach datiert die Pappkarten vom Meinhold Verlag in Dresden von 1904 bis 1918. Der Wunschpreis für die lithografierten Schulkarten liegt bei 350 Euro. Die Expertin schätzt den Wert auf 300 bis 360 Euro.
“Schwere Kost”, stöhnt Walter Lehnertz, als die Tafeln im Händlerraum stehen. Auch Jos van Katwijk weiß nicht so recht, wo die Tafeln platziert werden sollen: “Im Kinderzimmer bekommen Kinder vor diesen Märchenbildern Angst.” Letztlich zahlt er aber 200 Euro für die sechs Tafeln.

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